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Audi A6 im Premium-Vergleich: Katastrophe statt Vorsprung durch Technik

Weil momentan viele Termine in der ganzen Republik zu bewältigen sind, miete ich in letzter Zeit Langstrecken-Limousinen an. Nach BMW 525td, Mercedes E 350 und Opel Insignia überreichte mir die Dame am Counter gestern mit den Worten „Sie werden sehen: Nur fliegen ist schöner.“ diesmal den Schlüssel zu einem Audi A6 Avant 3.0 TDI quattro mit knapp 20.000 Kilometern auf der Uhr. „Vorsprung durch Technik“ denke ich noch bei mir als ich auf dem Fahrersitz Platz nehme. Doch während ich meinen Sitz einstelle macht es ratsch und ich habe gleich mal den Plastikhebel zur Sitzhöheneinstellung in der Hand. Na gut, das kann mal passieren, Audi.

Fehlermeldung im Audi A6Ich fahre auf die Autobahn, stelle den Tempomat mit Abstandsregelung auf 130 und entspanne mich für die kommenden 870 km, die heute auf dem Programm stehen. Doch kaum habe auf diese Weise 30 Kilometer zurück gelegt, ertönt ein „Ping“ und im Display erscheint die Fehlermeldung „ACC und Audi Braking Guard: Zur Zeit nicht verfügbar. Keine Sensorsicht.“ Der Tempomat ist deaktiviert und lässt sich nicht mehr aktivieren, jeder Versuch wird mit der wiederholten Anzeige der Fehlermeldung unterbunden.  (PS: Das Foto hat meine Frau Anna vom Beifahrersitz aus gemacht.)

Ich halte auf einem Parkplatz und befrage das Handbuch. Das sagt: Die Sensoren könnten verschmutzt sein. An einem frisch gewaschenen Auto? Ich steige aus und reinige die beiden Sensoren, die an der Stelle stitzen wo normalerweise Nebelscheinwerfer angebracht sind. Einsteigen, weiterfahren, der Tempomat und die Abstandsregelung funktionieren wieder. Die Sensoren waren wohl verschmutzt obwohl das Taschentuch nach dem Abwischen immernoch blütenweiß war.

Ich komme nur wenige Kilometer weit, wieder ertönt das „Ping“, wieder erscheint im Display die Fehlermeldung „ACC und Audi Braking Guard: Zur Zeit nicht verfügbar. Keine Sensorsicht.“ Tempomat nicht verfügbar. Die restlichen 870km lege ich anschließend zumeist ohne Tempomat zurück. Zwar funktioniert das System nach jedem Abstellen des Motors wieder – aber nur wenige Kilometer. Immer wieder klinkt es sich kurz darauf aus. 24km lange Autobahnteilstrecken mit 120-Tempolimit wegen fehlendem Seitenstreifen sind alles andere als entspannt zu durchfahren ohne Tempomat. Nicht zuletzt deswegen miete ich am liebsten Fahrzeuge aus dem Premium-Segment. Ein neuwertiger Audi A6 kann die einfache Anforderung „Geschwindigkeit selbstständig halten“ nicht erfüllen. Audi!

Ich kopple mein Samsung-Telefon via Bluetooth mit dem Audi-System. Danach rappelt mein Smartphone alle drei Minuten, weil die Blutooth-Verbindung unterbrochen wurde und neu gekoppelt werden musste. Das geht solange bis ich die Bluetooth-Verbindung deaktivere und mein Telefon auf die Mobilbox umleite. Audi!!

Die Kofferraumklappe besitzt zwar eine elektrische Öffnungsfunktion, dafür lässt sie sich manuell nicht dazu bewegen sich zu öffnen. Mir bleibt nur, den Schlüssel rauszufummeln und sie über die Taste auf der Fernbedienung zu öffnen. Audi!!!

Am Abend halte ich schon völlig entnervt um etwas zu essen. Als ich wiederkomme und den Wagen starte, bleibt das Display, das aus dem Amaturenbrett herausfährt und sich dann aufrichtet, auf halben Wege stecken. Erst mehrmaliges Betätigen der „rein-raus-Taste“ kann das Display doch noch dazu bewegen, seine endgültige Position einzunehmen. Audi!!!!

Ein loser Sitzhebel in meiner Hand, ein spinnender Tempomat, eine unkonstante Bluetooth-Verbindung, eine nur-elektrische Heckklappe und ein ausfahrendes Display mit mechanischem Problem. Das nennt man also „Vorsprung durch Technik“.

Sorry, Audi!!!!!, aber für ein Auto, das mehr als 65.000 Euro kostet ist das alles andere als Premium. Ich bin nach 900km und 10 Stunden in eurem A6 wirklich froh den Wagen am Abend wieder abgeben zu dürfen. Mir scheint, dass nicht umsonst vier Nullen auf dem Kühlergrill prangen. Abgesehen vom Sitzkomfort könnte ich mich eher sogar noch für einen ein Opel Insignia begeistern – und der ist schlappe 20.000 Euro günstiger zu bekommen.

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