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IHK-Gesetz: 60 Jahre vorläufig

Heute flattert einmal mehr ein IHK-Beitragsbescheid ins Haus. Diesmal werde ich zivilen Ungehorsam an den Tag legen und dieses Schreiben an die IHK verschicken:

Sehr geehrte Damen und Herren,

mit Datum vom 24.02.2016 haben Sie uns einen Beitragsbescheid zukommen lassen. Als rechtliche Grundlage nennen Sie das „Gesetz zur vorläufigen Regelung des Rechts der Industrie- und Handelskammern vom 18. Dezember 1956“.

Da dieses Gesetz seit nunmehr 60 Jahren nur „vorläufig“ ist, beantragen wir bis zu einer endgültigen Regelung die Stundung der aktuell und zukünftig geforderten Beiträge. Da der Rundfunk neulich davon berichtete, dass die IHK beabsichtigt Überschüsse abzubauen, sollte es Ihnen nicht schwer fallen unserem Antrag statt zu geben.

Wir verbleiben,
mit freundlichen Grüßen

Versuch macht kluch und ich bin wirklich auf die Antwort gespannt.

Voltaire: Alle Menschen sind klug

Alle Menschen sind klug – die einen vorher, die anderen nachher. (Voltaire)

Ein Zitat zur Meinungsfreiheit

„Ich mag verdammen, was du sagst, aber ich werde mein Leben dafür einsetzen, dass du es sagen darfst.“
Dieses Zitat von Evelyn Beatrice Hall passt gut in die Zeit.

Scheckheft selbst gepflegt

Gebrauchtwagenhändler geniessen einen schlechten Ruf und das Exemplar, an das ich gerade geraten bin, bekräftigt dieser Unterstellung: Der Autohof aus dem Raum Leipzig preist seinen VW Sharan von 2004 mit 135tkm auf einer der bekannten Autoportale im Web als „scheckheftgepflegt“ an. Ich suche schon eine Weile nach einer solchen Großraumlimousine, der Preis passt und weil dieser scheckheftgepflegt ist, nehme ich die 130km Weg gerne auf mich um mir das Auto mal näher anzuschauen. Und natürlich schaue ich dabei mir auch das Scheckheft näher an. Der letzte Stempel eines VW-Autohauses prangt darin bei 58tkm, danach folgen drei Stempel des benachbarten Abschleppdienstes, die vier folgenden Serviceblätter wurden mit immer demselben Kugelschreiber ausgefüllt – ohne jeglichen Stempel. Der letzte Bremsflüssigkeitswechsel? Mindestens 5 Jahre her. Ein Auto mit so einem „Malbuch“ als scheckheftgepflegt anzupreisen ist nicht nur eine bodenlose Frechheit sondern Irreführung! Verlässt man sich auf die Angabe und prüft das Scheckheft nicht, ist das für mich sogar Betrug! Scheckheftgepflegt heisst für mich: Durchgängig nach Serviceintervall in einer autorisierten Vertragswerkstatt des Herstellers gewartet. Man sollte solch irreführende Aussagen unter Strafe stellen – dann hätte der Händler vielleicht keine falschen Angaben gemacht und ich hätte mir die 260km Weg gespart.

Kapitän unter falscher Flagge

Kapitän unter falscher FlaggeEs mag sein, dass Benedikt Höwedes nicht begeistert davon war, die Kapitänsbinde nicht selber anlegen zu dürfen sondern sie an Mesut Özil überbringen zu müssen als Sami Khedira ausgewechselt wurde, und es mag sein, dass Höwedes sie Özil deshalb falsch herum auf den Arm gesteckt hat. Ein designierter Spielführer sollte das trotzdem bemerken und umgehend korrigieren – es sei denn, er weiß es nicht besser. Darum gibt es hier aus aktuellem Anlass mal eine kleine Nachhilfe für aktuelle, temporäre und kommende Kapitäne der deutschen Fußball-Nationalmannschaft mit und ohne Migrationshintergrund: Die deutschen Farben lauten „schwarz-rot-gold“ und ihre korrekte Reihenfolge ist schwarz oben, rot in der Mitte, gold unten. Bitte in Zukunft beachten.

Ubuntu-Phone: Endlich root!

root auf dem Ubuntu Phone!

Das Warten hat sich gelohnt, eben wurde mein bq Aquaris E4.5 Ubuntu Edition geliefert. Und… was soll ich sagen… außer vielleicht… Google: Fick dich! Apple: Fick dich! Microsoft: Fick dich! Ich bin root und root darf das!

Ein quelloffenes Linux, ein freies Betriebssystem, endlich auch auf meinen Smartphone. Jetzt ist auch meine mobile Kommunikation frei! Welch ein Tag.

Audi A6 im Premium-Vergleich: Katastrophe statt Vorsprung durch Technik

Weil momentan viele Termine in der ganzen Republik zu bewältigen sind, miete ich in letzter Zeit Langstrecken-Limousinen an. Nach BMW 525td, Mercedes E 350 und Opel Insignia überreichte mir die Dame am Counter gestern mit den Worten „Sie werden sehen: Nur fliegen ist schöner.“ diesmal den Schlüssel zu einem Audi A6 Avant 3.0 TDI quattro mit knapp 20.000 Kilometern auf der Uhr. „Vorsprung durch Technik“ denke ich noch bei mir als ich auf dem Fahrersitz Platz nehme. Doch während ich meinen Sitz einstelle macht es ratsch und ich habe gleich mal den Plastikhebel zur Sitzhöheneinstellung in der Hand. Na gut, das kann mal passieren, Audi.

Fehlermeldung im Audi A6Ich fahre auf die Autobahn, stelle den Tempomat mit Abstandsregelung auf 130 und entspanne mich für die kommenden 870 km, die heute auf dem Programm stehen. Doch kaum habe auf diese Weise 30 Kilometer zurück gelegt, ertönt ein „Ping“ und im Display erscheint die Fehlermeldung „ACC und Audi Braking Guard: Zur Zeit nicht verfügbar. Keine Sensorsicht.“ Der Tempomat ist deaktiviert und lässt sich nicht mehr aktivieren, jeder Versuch wird mit der wiederholten Anzeige der Fehlermeldung unterbunden.  (PS: Das Foto hat meine Frau Anna vom Beifahrersitz aus gemacht.)

Ich halte auf einem Parkplatz und befrage das Handbuch. Das sagt: Die Sensoren könnten verschmutzt sein. An einem frisch gewaschenen Auto? Ich steige aus und reinige die beiden Sensoren, die an der Stelle stitzen wo normalerweise Nebelscheinwerfer angebracht sind. Einsteigen, weiterfahren, der Tempomat und die Abstandsregelung funktionieren wieder. Die Sensoren waren wohl verschmutzt obwohl das Taschentuch nach dem Abwischen immernoch blütenweiß war.

Ich komme nur wenige Kilometer weit, wieder ertönt das „Ping“, wieder erscheint im Display die Fehlermeldung „ACC und Audi Braking Guard: Zur Zeit nicht verfügbar. Keine Sensorsicht.“ Tempomat nicht verfügbar. Die restlichen 870km lege ich anschließend zumeist ohne Tempomat zurück. Zwar funktioniert das System nach jedem Abstellen des Motors wieder – aber nur wenige Kilometer. Immer wieder klinkt es sich kurz darauf aus. 24km lange Autobahnteilstrecken mit 120-Tempolimit wegen fehlendem Seitenstreifen sind alles andere als entspannt zu durchfahren ohne Tempomat. Nicht zuletzt deswegen miete ich am liebsten Fahrzeuge aus dem Premium-Segment. Ein neuwertiger Audi A6 kann die einfache Anforderung „Geschwindigkeit selbstständig halten“ nicht erfüllen. Audi!

Ich kopple mein Samsung-Telefon via Bluetooth mit dem Audi-System. Danach rappelt mein Smartphone alle drei Minuten, weil die Blutooth-Verbindung unterbrochen wurde und neu gekoppelt werden musste. Das geht solange bis ich die Bluetooth-Verbindung deaktivere und mein Telefon auf die Mobilbox umleite. Audi!!

Die Kofferraumklappe besitzt zwar eine elektrische Öffnungsfunktion, dafür lässt sie sich manuell nicht dazu bewegen sich zu öffnen. Mir bleibt nur, den Schlüssel rauszufummeln und sie über die Taste auf der Fernbedienung zu öffnen. Audi!!!

Am Abend halte ich schon völlig entnervt um etwas zu essen. Als ich wiederkomme und den Wagen starte, bleibt das Display, das aus dem Amaturenbrett herausfährt und sich dann aufrichtet, auf halben Wege stecken. Erst mehrmaliges Betätigen der „rein-raus-Taste“ kann das Display doch noch dazu bewegen, seine endgültige Position einzunehmen. Audi!!!!

Ein loser Sitzhebel in meiner Hand, ein spinnender Tempomat, eine unkonstante Bluetooth-Verbindung, eine nur-elektrische Heckklappe und ein ausfahrendes Display mit mechanischem Problem. Das nennt man also „Vorsprung durch Technik“.

Sorry, Audi!!!!!, aber für ein Auto, das mehr als 65.000 Euro kostet ist das alles andere als Premium. Ich bin nach 900km und 10 Stunden in eurem A6 wirklich froh den Wagen am Abend wieder abgeben zu dürfen. Mir scheint, dass nicht umsonst vier Nullen auf dem Kühlergrill prangen. Abgesehen vom Sitzkomfort könnte ich mich eher sogar noch für einen ein Opel Insignia begeistern – und der ist schlappe 20.000 Euro günstiger zu bekommen.

Wenn selbst der Müller die deutsche Sprache verlernt

Der Name Müller ist, so habe ich erst kürzlich aus einer Dokumentation über die Deutschen erfahren, der deutschlandweit am häufigsten vorkommende Familienname und damit Inbegriff des Deutschtums. Wenig später habe ich im Kühlregal eines Supermarktes diese Milch-Flasche eines solchen Müller entdeckt.

Der Müller hat die deutsche Sprache verlerntUnd dieser Müller hat sich eine tolle Marketing-Aktion einfallen lassen: Er deklariert keine Geschmacksrichtung auf der Verpackung – die möchte er von seinen Kunden erraten lassen. Und um die Kunden auf die Aktion aufmerksam zu machen, versucht der Müller eine Frage zu formulieren: „Nach was schmeckt Sorte 1?“. Zumindest suggeriert das Fragezeichen am Ende, dass es sich dabei um eine Frage handeln soll. Um Fragen zu formulieren gibt es in der deutschen Sprache eigens spezielle Wörter, die sogenannten Fragewörter. Wer fleißig Sesamstraße geschaut hat, kennt sicherlich die gängigsten: Wer, wie, was, wieso, weshalb, warum. Es gibt aber noch viel mehr Fragewörter: Worauf, worum, woher, weswegen, woran, wozu, wohin, wessen und so weiter.

Mit diesen Worten lassen sich durchaus vernünftige Fragen formulieren, wie zum Beispiel:
Wessen dämliche Idee war das?
Wieso beschäftigen Werbeagenturen nur noch Praktikanten?
Woran erkennt man, dass der Müller die deutsche Sprache verlernt hat?

Meine Anna bezeichnet mich liebevoll als Genitiv-Nazi und Sprach-Fetischist aber wenn selbst eine Firma mit dem urdeutschen Namen Müller keinen großen Wert mehr auf anständiges Deutsch zu legen scheint, dann ist die Lage meiner Ansicht nach beinahe schon dramatisch. Vielleicht befürchtet der Müller auch schlichtweg, dass seine Kunden ihn nicht verstehen würden wenn er sie nach dem „wonach“ fragen würde. Ich finde es traurig den Niedergang der deutschen Sprache so hautnah miterleben zu müssen, selbst in der ARD Tagesschau hört man von professionellen Journalisten Formulierungen wie „um was es sich handelt“ oder „auf was dabei ankommt“. Man kann ja über die Franzosen sagen, was man will – ihre Sprache hüten sie stolz.

PS: Ich möchte die Frage des Müllers gerne beanworten, auch wenn sie dämlich formuliert ist. Eine Sorte schmeckt tatsächlich nach Kaffee. Die Geschmacksrichtung der restlichen drei Sorten möchte ich mit einer Gegenfrage auflösen: Wonach soll etwas schmecken, das seinen Geschmack einzig aus zugesetzten Aromen bezieht? Genau, es schmeckt nach dem jeweiligen Aroma und hier noch nicht einmal nach „natürlichem Aroma“.

Teure Alibi-Postwurfsendungen der IHK

Wenn ich als Unternehmer Post von der Industrie- und Handelskammer (IHK) bekomme, weiß ich sofort was die Stunde geschlagen hat. Vor zwei Wochen erhielt ich eine Einladung zur Teilnahme an einem Workshop der AHK zum Thema „Absatzmarkt Österreich“. Jedes Jahr das gleiche Spiel: Wenn ich solche Post von der IHK bekomme kann ich sicher sein, dass mir innerhalb der nächsten drei Wochen der IHK-Beitragsbescheid zugestellt wird. Das ganze Jahr höre und sehe ich nichts von dieser glorreichen und unverzichtbaren Institution und deshalb wird kurz vor dem Eintreiben der Zwangsmitgliedschaftsbeiträge irgendwelche sinnlose Alibi-Post verschickt.

IHK Magazin und BeitragsbescheidHeute nun kam tatsächlich der Beitragsbescheid, natürlich zeitgleich mit dem ach-so-informativen IHK-Magazin. Ich habe schon lange darauf gewartet etwas über Selbstbeweihräucherungen wie „Regionalversammlung begrüßt Bundestagsabgeordnete“, „Hoher Gast beim Jahresempfang der IHK“ oder „Unternehmertag mit Business Theater“ zu lesen. Der Preis für diese hochnützliche Postwurfsendung findet sich auf dem Beitragsbescheid: 427,70 Euro verlangen die staatlich-legitimierten Raubkassierer dafür. Die IHK darf nämlich auf Grundlage des „Gesetz zur vorläufigen Regelung des Rechts der Industrie- und Handelskammer“ nach wie vor ohne jede Gegenleistung abkassieren – ich weiß, es ist müßig über die IHK zu kotzen aber sie agiert nach wie vor vorläufig seit 1956, demnach kassiert sie vorläufig seit gerade mal 59 Jahren mit Zwang ab.

Im Duden finden sich zu „vorläufig“ übrigens folgende Definitionen:
nicht endgültig, aber bis auf Weiteres, erst einmal, zunächst, fürs Erste

Liebe IHK, euer Hochglanz-Magazin und eure Alibi-Einladungen könnt ihr euch schenken. Farbe, Porto und Papier sind teuer und der Mist landet sowieso ungelesen in der Papiertonne. Informiert in Zukunft einfach darüber, wie hoch mein Zwangsgeld ist und gut ist es. Ich verstehe zwar immernoch nicht wofür ich zahle aber sicher würden viele viele ganz ganz wichtige Büroärsche arbeitslos, wenn das Gesetz mal endgültig gemacht und gekippt würde.

Ultraspontane Betriebsprüfer

Das Telefon klingelt, es meldet sich eine Dame vom Finanzamt. „Sie wurden in diesem Jahr für eine Betriebsprüfung vorgemerkt und nun sind bei uns in dieser Woche Termine weggebrochen. Ich möchte gerne einen Termin für eine Betriebsprüfung in dieser Woche in ihrem Haus vereinbaren.“

Eine telefonisch angekündigte Betriebsprüfung mit ein, zwei Tagen Vorlaufzeit? Sagt mal liebe Finanzbeamte, geht’s euch auch gut? Ihr wisst aber schon, dass die Buchhaltung dafür vorbereitet und alle Unterlagen zusammengestellt werden müssen? Mein Terminkalender spielt dabei wohl keine Rolle? Eine Betriebsprüfung wird in der Regel spätestens zwei Wochen vor dem Prüftermin angekündigt und zwar schriftlich! Wie spontan die deutsche Finanzverwaltung doch sein kann, wenn sie etwas will – mir fehlen die Worte…