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2 Mrd Euro einfach in Luft verwandelt

Patrick Archambault heisst der Mann, der gestern mit einem kleinen Aufsatz in Form einer Aktien-Analyse mal eben 2 Mrd Euro in Luft verwandelte. Archambault ist Börsenanalyst bei der berühmt berüchtigten Investmentbank Goldman Sachs und er fühlte sich wohl berufen, sich das jüngste Mitglied im amerikanischen Aktienindex NADSAQ-100 vorzunehmen: Tesla Motors, Elektrofahrzeughersteller aus Kalifornien.

Tesla ist ein Hoffnungsträger und Technologieführer der E-Mobilität, schließlich haben sie das bislang einzige E-Auto auf dem Markt, das von Grund auf um den elektrischen Antrieb herum konstruiert wurde. Es ist bislang auch das einzige, das mit einer rein elektrischen Reichweite von mehr als 400km aufwarten kann. Das kleine kalifornische Unternehmens hatte sich so gut entwickelt, dass selbst Daimler noch vor dem Tesla-Börsengang 2009 in das Unternehmen investiert hat. Seit dem entwickelte sich Tesla prächtig, der Absatz in den USA stieg und so konnte Tesla nicht nur einen Staatskredit vorzeitig zurückzahlen sondern sogar im ersten Quartal 2013 den ersten Gewinn der Firmengeschichte vermelden. Man baut 400 Fahrzeuge am Tag, entwickelt für Daimler elektrische Antriebe der neuen A-Klasse und dergleichen mehr. Solche Erfolgsgeschichten beflügeln die Fantasie von Anlegern, die Teil der Geschichte sein wollen, schließlich geht es bei Unternehmen immer auch um Hoffnung und Glauben.

Und Glauben war es auch, der 2 Milliarden Euro in Luft aufgelöst hat. Patrick Archambault glaubt nämlich zu wissen, wie sich Teslas Verkäufe entwickeln, welche Marktanteile global erobert und welche Gewinnmargen daraus erwachsen werden. In seiner Analyse (hier ein Auszug in englisch) legt er seine Annahmen dar und konstruiert daraus drei Szenerien: Ein positives, ein weniger positives und als drittes Szenario einen Mittelwert aus den beiden ersteren Szenarien. Und die Börse sprang drauf an.

Kaum war seine Meinung in die Welt hinausposaunt, kam die Tesla-Aktie ins rutschen und verlor bis zum Handelsschluss satte 15% ihres Wertes – 2 Mrd Euro. Zeitgleich erschien auf spiegel.de ein Artikel über Goldman Sachs, Archambaults Arbeitgeber. Darin heisst es, Zitat „Die Bank hat kein klassisches Filialgeschäft mit Spareinlagen und Krediten. Sie verdient ihr Geld an den Kapitalmärkten […]“. und weiter, dass Goldman Sachs im zweiten Quartal seinen Gewinn verdoppelt und mit 1,9 Milliarden Dollar sogar die Erwartungen der Analysten übertroffen hat.

Da drängt sich die Frage auf: Kann es sein, dass Goldman Sachs auch an Kursverlusten von Papieren verdient, für die eben Goldman Sachs die Analysen erstellt? Geld verdienen kann so einfach sein – man muss nur mit Prognosen und Annahmen dafür sorgen, dass das Geld an derer sich plötzlich in Luft auflöst.

Update 2013-09-10: Übrigens hatte der Herr Archambault die Motivation der Anleger unterschätzt – hippe und „grüne“ Enthusiasten haben die Aktie zwischenzeitlich auf über US$164,00 / €125,60 schiessen lassen 🙂 Gutbezahlte und kompetente Analysten halt 😀

One Comment

  1. soeren.cz schrieb dazu:

    klingt alles nachvollziehbar. aber ganz ehrlich: wen kratzt daß denn noch? was wirklich zum kotzen ist, solche „gewinner“ gelten heutzutage auch noch als „clever“!

    2013-08-29 um 17:43 | Permalink

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